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Reise nach Tschernobyl
Der erste Super-GAU und DIE Umweltkatastrophe der 1980er Jahre, die Kernschmelze im Atomreaktor in Tschernobyl (jetzt in der Ukraine, damals noch Teil der Sowjetunion), liegt nun 26 Jahre zurück. Und was kurz nach dem Unglück noch unmöglich erschien, nämlich dass einmal wieder Besucher in die Todeszone eingelassen werden, ist mittlerweile fast Alltag. Seit dem Jahr 2009 steigt sogar die Zahl der Besucher jährlich an, von 7.000 auf zuletzt mehr als 10.000 Besucher pro Jahr.
In Polen und der Ukraine findet in diesem Jahr die Fußball-EM 2012 statt (vom 8. Juni bis zum 1. Juli). Millionen Menschen werden das Event am Bildschirm verfolgen und hunderttausende Fans werden zu den Spielen anreisen. Neben der Fußball-EM ist Tschernobyl die wohl größte Attraktion in der Ukraine. Und auch hier wird für 2012 mit einem Besucherandrang gerechnet. Dabei ist der Zugang nach wie vor streng reglementiert: Man kann die Todeszone besuchen, allerdings nicht einfach so. In die 30-Kilometer-Sperrzone kommt nur, wer sich zehn Tage vorher schriftlich bei der Staatsagentur zur Verwaltung der Tschernobyl-Zone angemeldet hat. Dabei müssen persönliche Daten, die genaue Reise-Route, der Grund des Besuchs und mögliche Gesprächspartner in der Region angegeben werden. Ausflüge kosten pro Person zwischen 120 und 170 US-Dollar.
Auch die Auflagen für den Besuch sind streng. Nur nach einer ausführlichen Unterweisung dürfen sich die Besucher für maximal 5 Tage in der Todeszone aufhalten. Dabei muss immer eine Begleitung anwesend sein. Die Besucher müssen passend gekleidet sein und werden auf Strahlenwerte untersucht. Wenn das Wetter nicht mitspielt (Regen etc.), ist eine Reise nach Tschernobyl überhaupt nicht möglich. Auch wenn man es dann in die Zone geschafft hat, ist noch längst nicht alles erlaubt: Denn Tschernobyl ist gefährlich, nach wie vor! Es gibt sogenannte Hotspots – Orte oder auch Gegenstände, an denen die Radioaktivität besonders hoch ist. Also Finger weg von Souvenirs! Die mitzunehmen ist nämlich strengstens verboten!
Grundsätzlich sollte man bei einem Besuch neben der Radioaktivität aber auch eines nicht vergessen: Es leben und arbeiten zwar nach wie vor 1.000 Menschen in der Sperrzone rund um Tschernobyl, aber die Sperrzone ist riesig. Allein in Pripyat, der Geisterstadt, die nur 3 Kilometer vom Tschernobyl-Reaktor entfernt liegt, lebten einmal 50.000 Menschen. Jede Reisegruppe, die Pripyat betritt, trägt die Verantwortung für sich selbst. Wie so eine Exkursion verläuft, liegt im Ermessensspielraum der Gruppe. Was man auch macht, man sollte auf gar keinen Fall den Anschluss an die Gruppe verlieren. Denn Pripyat ist eine Ruine und zerfällt immer mehr. Wer hier verunglückt, hat ein Problem. Handyempfang ist nicht existent und auch der nächste Rettungswagen würde lange auf sich warten lassen. Tourismus extrem! Wenn Sie aber doch vorhaben, Tschernobyl zu besuchen, dann können Sie sich beispielsweise hier www.chornobyl.net informieren.
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