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26 November 2012 | Von Tim Ende

"Ich habe großen Respekt vor den Bergen"

Vom Erzgebirge aus durch die ganze Welt. Der Profi-Bergführer Ivo Meier war schon auf vielen Gipfeln dieser Welt und hat noch längst nicht genug vom Bergsteigen.


Ivo Meier gehört zu den besten Bergführern der Welt. (© Bild: hikeandbike)
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  • Ivo Meier gehört zu den besten Bergführern der Welt. (© Bild: hikeandbike)
  • Sein Vater nahm ihn schon früh ins Gebirge mit. (© Bild: hikeandbike)
  • Auf vielen Bergen... (© Bild: hikeandbike)
  • ... schrieb er seinen Namen in die Gipfelbücher. (© Bild: hikeandbike)
  • Gerne hilft der Profi-Bergsteiger auch Anderen. (© Bild: hikeandbike)
  • 'Das Schönste ist, wenn man auf dem Gipfel steht.' (© Bild: hikeandbike)
  • Durch tägliches Training... (© Bild: hikeandbike)
  • ... hält sich der Bergsteiger für weitere Reisen fit. (© Bild: hikeandbike)
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Ivo Meier gehört zu den besten Bergführern der Welt.

Seine Leidenschaft fürs Bergsteigen hat Ivo Meier, Profi-Bergführer bei der Alpinschule "Alpine Welten - Die Bergführer" , bereits früh entdeckt. Im Interview sprachen wir über große Höhen, Herausforderungen und wie man es auch als Anfänger auf einen Gipfel schaffen kann. Weitere spannende Infos über diese Sportart finden Sie bei den Bergsport-Experten von hikeandbike.de!

Wie kam es zu Ihrer Bergsteiger-Leidenschaft?

Mein Vater hat mich früher immer mitgenommen nach Rumänien, Tschechien, Bulgarien oder in den Thüringer Wald. Da ich in der DDR aufgewachsen bin, waren das die einzigen Ziele, die wir ansteuern konnten. So kam es zu meinen Anfängen. Der erste Fast-3000er, den ich bestiegen habe, war der Musala in Bulgarien, das war ein großes Highlight. Mit 14 Jahren kam der Wendepunkt, weil mein Vater bisher immer bestimmt hatte, welche Berge wir besteigen. Da hat er zu mir gesagt, dass ich mal aussuchen soll, wo es hingeht. Ich habe auf den Atlas geschaut und mir den höchsten Berg Europas ausgesucht – den Mont Blanc. So kam es dann, dass ich auf meinen ersten Gletscher gestiegen bin. Als ich oben stand, habe ich meinen Vater gefragt, wie hoch die umliegenden Berge sind, ob die auch alle über 4000 Meter hoch sind. Da habe ich mir gesagt, dass ich später, wenn ich groß bin, einmal alle umliegenden Berge besteigen möchte.

Was fasziniert Sie so sehr am Bergsteigen, warum machen Sie es so gerne?

Hauptsächlich, weil ich gerne in der Natur bin, möglichst bei schönem Wetter. Außerdem reizt es mich, mit Menschen gemeinsam etwas zu erleben.

Was ist der schönste Moment bei einer Gipfelbesteigung?

Das Schönste ist, wenn man auf dem Gipfel steht. Egal, ob alleine, mit einem Gast oder mit einer größeren Gruppe. Es ist ein riesengroßes Erlebnis auf dem Gipfel zu stehen. Dabei muss man allerdings auch immer im Kopf haben, dass man noch runter muss und gerade mal die Hälfte der Strecke geschafft hat. Ich kann den Moment auf dem Gipfel genießen, egal wie lange er ist – ob es nur eine, zwei Minuten oder eine Stunde ist, das Gefühl ist auf jeden Fall einzigartig.

Stimmt es, dass es in großen Höhen schwer ist, noch klar zu denken?

Das ist eine schwierige Geschichte. Wenn man keine Erfahrung in der großen Höhe hat, dann reagiert der Körper und der Geist ganz anders, als bei niedrigeren Höhen. Da der Sauerstoffgehalt sehr niedrig ist, kann man teilweise nicht mehr klar denken. Man ist so fixiert auf das Vorwärtskommen, dass nicht mehr an Kleinigkeiten gedacht wird. Alle anderen Gedanken sind wie ausgelöscht. Ich habe mir während meiner Besteigung des K2s, dem zweithöchsten Berg der Welt (Himalaya) selbst ein paar Rechenaufgaben gestellt, die ich sonst problemlos lösen kann. Ich bemerkte, dass ich dafür vier bis fünf Sekunden länger brauchte, als normalerweise. Das liegt sicherlich am Sauerstoffmangel. Trotzdem reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf die ungewohnte Umgebung mit wenig Sauerstoff in der Luft.

Wie schnell ändern sich die Wetterverhältnisse in den Bergen?

Wetteränderungen passieren je nach Berg ziemlich schnell. Das Wetter kann sich innerhalb von 3 bis 4 Stunden komplett ändern. Der Wetterumschwung ist wesentlich extremer, sodass es innerhalb kurzer Zeit mal eben bis zu einem halben Meter schneien kann. Von der Höhe her kann man sagen, dass es kälter und windiger wird, desto höher man klettert.

Wie kann man bei so einer Höhe überhaupt schlafen?

Bergsteiger haben richtig warme Schlafsäcke. Aber teilweise ist es in den Zelten auch so warm, dass man tagsüber raus muss, weil die Sonne so viel Wärme bringt. Es gibt aber auch Tage, da bläst der Wind mit bis zu 100 km/h und es herrscht extreme Kälte, da kuschelt man sich in starke Daunenschlafsäcke, die Temperaturen bis zu minus 20Grad aushalten.

Wie verhält man sich während eines Notfalls?

Es ist natürlich schwer, die Bergrettung zu rufen, weil der Handyempfang so schlecht ist. Ich habe für solche Fälle ein Satellitentelefon, über das zum Beispiel Einheimische kontaktiert werden können, die Hilfe holen. Dann gibt es noch Hubschrauber, die einen notfalls rausholen können. Das ist aber sehr preisintensiv, wenn man keine Expeditionsversicherung hat, die ebenfalls relativ teuer sein kann.

Schreckt Sie so etwas nicht ab?

Es ist eine Leidenschaft. Ich versuche ein gesundes Mittelmaß zu finden zwischen dem Risiko, dass man einkalkuliert und dem Reiz dieser Sportart. Solange ich körperlich fit für das Bergsteigen bin, lasse ich mich von so etwas nicht abschrecken.

Wie lange muss man sich auf eine Bergbesteigung vorbereiten?

Das ist komplett unterschiedlich je nachdem, was man vorhat. Wenn man einen 6000 bis 7000 Meter Berg besteigen möchte, reicht es, wenn man sich körperlich fit hält durch Joggen, Schwimmen oder Tennis. Aber wenn man eine bestimmte Tour plant, wie die 16 6000er in 16 Tagen, die ich gemacht habe, dann muss man sich schon speziell darauf vorbereiten. Durch tägliches Training, Ausdauersport, lange Fahrradeinheiten, Schnelligkeits- und Höhentraining zum Beispiel.

Warum setzen Sie sich so große Ziele, wie 82 Viertausender in 35 Tagen zu besteigen?

Das sind Hürden, die ich mir setzte, wenn ich so oft unterwegs bin. Da suche ich immer nach einer neuen Herausforderung und möchte etwas machen, was sich noch nicht viele Menschen vor mir getraut haben. So kam ich auf die Idee, eine bestimmte Zahl an Bergen in einer kurzen Zeit zu besteigen. Ich wusste zwar, dass es knapp werden kann, habe es aber trotzdem gewagt.

Haben Sie ein paar Tipps für Bergsteiger-Anfänger?

Wer in die Berge gehen will, sollte zuerst langsam anfangen. Am besten man beginnt mit Höhen von 2000 bis 2500 Metern auf befestigen Wegen und geht dann Peu a Peu höher. Bevor die ersten Gletscher bestiegen werden, würde ich immer zu einem Ausbildungskurs mit Bergführer raten, wo man lernt, welches Material gebraucht wird und wie die Wetterverhältnisse einzuschätzen sind. So kann man Stufe für Stufe höher gehen, aber anfangs immer noch mit Bergführer. Sobald der Anfänger genug Erfahrung und Wissen und eine gewisse Verantwortung für sich selbst hat, kann er auch alleine losziehen.

Wie groß ist ihr Respekt vor den Bergen?

Ich habe großen Respekt vor den Bergen und das ist auch mein großes Anliegen, dass man die Touren nie zur Routine werden lassen sollte. Jeder Tag ist anders, das Wetter kann sich schnell ändern. Man kann noch so viel Erfahrung haben, aber es gibt immer ein Restrisiko. Das rate ich auch meinen Gästen, dass sie mit einem gewissen Respekt vor dem Berg an eine Tour rangehen.

Was planen Sie für die Zukunft?

Momentan will ich eher meine Bergführer-Qualitäten ausbauen und denke noch nicht so viel an zukünftige Expeditionen.

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